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Morokko



Das katastrophale Erdbeben in Marokko (M6.8 ) hat bereits knapp 300 Todesopfer gefordert. Eine Zahl, die in den kommenden Tagen wohl noch deutlich ansteigen wird. Bevor wir hier wieder auf die aktuelle Situation schauen, zunächst ein Blick auf die Hintergründe dieses Erdbebens:


Wie bereits an früherer Stelle erwähnt ist es das mit Abstand stärkste Erdbeben auf dem marokkanischen Festland seit Aufzeichnungsbeginn. Marokko liegt im Einflussbereich der Kollisionszone der Europäischen und der Afrikanischen Platte. Wie die gesamte Mittelmeer-Region. Das Epizentrum lag im Atlas-Gebirge, welches einen der südlichsten Ausläufer dieser Kollisionszone darstellt. Wie in den Alpen oder vor der Küste Griechenlands wird hier die Erdkruste zusammengedrückt. Der Grund, warum dieses Gebirge überhaupt entstanden ist.


Im Vergleich zu den schnelleren Kollisionszonen direkt am Mittelmeer ist der Atlas im Zentrum Marokkos seismisch ruhiger. Man weiß, dass mit der Süd-Atlas-Störung eine aktive Erdbebenquelle vorhanden ist, u.a. "dank" der Erdbebenkatastrophe mit 12000 Toten (M5.9) in Agadir 1960.

Schon das Agadir-Erdbeben kam damals weitestgehend überraschend und stellte das bis dato stärkste bekannte Erdbeben in der Region dar. Auch aus historischer Zeit sind aus der Region südlich von Marrakesch keine Erdbebenkatastrophen überliefert. Anders im Norden Marokkos.


In dieser Grafik sind alle bekannten Erdbeben zwischen 1901 und 2010 verzeichnet. Man sieht, dass es im Atlas kleinere bis mittlere Erdbeben gab, dass das M5.9 in Agadir in seiner Größe aber schon heraussticht. Nun muss man sich noch ein M6.8 dazu denken. Das ist nun einer der seltenen Fälle, wo wir ein schweres Erdbeben haben, dass alle bekannten historischen Aufzeichnungen sprengt. Leider in einer dicht besiedelten und höchst vulnerablen Region, wie durch die Opferzahl langsam deutlich wird.


Das heißt nicht, dass für die Region Marrakesch zuvor solch große Erdbeben ausgeschlossen wurden. Geologische Indizien und entsprechende Forschung gab es. Nur fehlte eben dieses Beispiel, was auch für der Kommunikation der Erdbebengefährdung essentiell ist. Um das in Relation zu setzen: Die Erdbebengefährdung in der Atlas-Region ist basierend auf historischen Aufzeichnungen wohl vergleichbar mit der im Oberrheingraben. Viele Beben um M4, einzelne über M5. Mit dem (theoretischen) Wissen, dass auch M6 überschritten werden kann.


Um bei dem Vergleich zu bleiben: Das heutige Erdbeben in Marokko ist ähnlich zum Basel-Erdbeben 1356. Ein Jahrtausendereignis, von dem die Bevölkerung in Marokko aber nicht wusste, dass es möglich ist, weil das letzte derartige Beben bereits sehr lange zurück liegt. Leider braucht es in den meisten Fällen eben solche oft katastrophalen Ereignisse, um die Gefährdungssituation auch komplett erfassen zu können. Die Erdbebengefährdung in Marokko wird infolge dieser Katastrophe wohl nochmal genauer betrachtet werden.


In einer Studie aus dem Jahr 2017 (siehe unten) wurde die durchschnittliche Wiederholungsrate eines Erdbebens der Stärke 6 auf etwa 600 Jahre geschätzt. Magnitude 6.8, die Stärke des Erdbebens heute, wurde wegen der Seltenheit schon nicht mehr genauer erwähnt. Hochgerechnet wäre es eine Wiederkehrperiode von etwa 6000 Jahren. Heißt: Erdbeben wie heute treten in der Region von Marokko im Durchschnitt nur einmal alle 6000 Jahre auf


Grafik aus:

Cherkaoui, T. E., & El Hassani, A. (2012). Seismicity and Seismic hazard in Morocco. Bulletin de l’Institut Scientifique, Rabat, section Sciences de la Terre, 34, 45-55. Schätzung aus: Hamdache, M., Peláez, J. A., Kijko, A., & Smit, A. (2017). Energetic and spatial characterization of seismicity in the Algeria–Morocco region. Natural Hazards, 86, 273-293.





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